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Revolverheld: „Heute ist alles so verworren“

Auf „Zimmer mit Blick“ zeigt sich die Band politischer denn je. Gitarrist Niels Kristian Hansen erklärt, wie das kam.

UDO EBERL |

Revolverhelds Debütalbum schaffte es vor 13 Jahren wie die darauffolgenden vier Platten in die Top Ten. Aber nie war die Pop-Rock-Band so erfolgreich wie mit ihrem Unplugged-Live-Album 2015. Auch wenn die Hamburger zuletzt eigentlich eine Pause einlegen wollten, legen Sänger Johannes Strate, die Gitarristen Kristoffer Hünecke und Niels Kristian Hansen mit Drummer Jakob Sinn jetzt schon das fünfte Studioalbum vor.

Im Titelstück  „Zimmer mit Blick“ geht es um Aktuelles . . .

Niels Kristian Hansen : Wir waren noch nie so politisch wie in diesem Stück. Es beschreibt die Konfusion in dieser Zeit, in der wir uns alle bewegen und in die wir uns meist nicht hinauswagen müssen. Wir blicken aus unserer Komfortzone nur zu, was um uns herum passiert und vergessen dabei oft, wie sehr es am Ende auch uns betrifft. Das bewegt uns alle in der Band, und das haben wir in dem Song verarbeitet.

Revolverheld galten als die netten Normalpop-Jungs von nebenan – und machten sich damit angreifbar. Werdet Ihr deshalb nun konkreter?

Wir waren ja nie wirklich beleidigt. Jeder darf seine Meinung zu uns haben. Das war aber nicht der Grund dafür, dass wir jetzt klarere Ansagen machen. Das war keine strategische Entscheidung, um Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen. Derzeit ist alles so verworren. Die Welt ist nicht mehr Schwarz-weiß, wenn sie das überhaupt mal war. Nicht erst seit diesem bestimmten amerikanischen Präsidenten. Ängste, die uns umtreiben, halten wir in Texten fest.

Auch den Selbstoptimierungswahn?

Stimmt. In unserer Gesellschaft hat man manchmal das Gefühl, es geht nur darum, immer besser zu werden und wie in einem Computerspiel das nächste Level zu erreichen. Wo bleibt da die Zufriedenheit? Die kommt deutlich zu kurz. Wir sind der Meinung, dass man den Moment und das Leben in all seinen Facetten auch einfach mal feiern muss.

Klingt nach Weiterentwicklung.

Seit dem vorigen Studioalbum sind fünf Jahre vergangen. Wir haben uns natürlich weiterentwickelt – musikalisch wie privat.

Wie groß war da der Druck?

Wir hatten zwischenzeitlich unser MTV-Unplugged-Album veröffentlicht, eine Art Best-of, das sehr erfolgreich war. Live haben wir mit einer großen Produktion Arenen gefüllt. Da wächst zum Beispiel auch das Anspruchsdenken bei unserem Team, da ja alle gemeinsam an diesem Erfolg arbeiten. Und da sind ja auch noch die Erwartungen der Fans. Wir haben uns aber gesagt, dass wir versuchen müssen, uns völlig frei zu machen und einfach zu erzählen, was uns in den vergangenen Jahren bewegt hat.

Wann begann der Arbeitsprozess fürs neue Album?

Eigentlich dachten wir vor dem Ende der Unplugged-Tournee im Herbst 2016, wir müssten erst mal eine längere Pause machen. Wir merkten dann aber sehr schnell, dass wir gar nicht ausgebrannt waren. Wir wollten einfach Neues machen. Kris und Johannes haben sich auf die Insel Föhr und nach Bremen zurückgezogen, um an neuem Songmaterial zu arbeiten. Damit sind wir dann ins Studio gegangen.

Hat sich an der Arbeitsweise etwas geändert? Die Stücke klingen mehr nach Studio als nach Session.

Das war tatsächlich so. Die Songstrukturen standen als Gerüst, vieles hat sich dann aber erst im Studio ergeben. Wir agierten mit unterschiedlichsten Sounds völlig ergebnisoffen. Und arbeiteten mit viel akribischer Feinarbeit an Details. Da wurden Drums programmiert, verschiedenste Synthesizer eingesetzt und mit Effekten experimentiert. Manchmal geht es darum, eine Nummer einfach nur langsamer zu machen und sie klingt auf einmal komplett anders. In unserem kreativen Arbeitsprozess war einfach alles möglich. Dafür mussten wir uns allerdings auch aus unseren Komfortzonen bewegen.

Ihr habt Euch jetzt mit dem neuen Album noch ein Stück mehr in Richtung Pop bewegt. Seid Ihr so etwas wie die deutschen Coldplay?

Wenn dem so wäre, würde ich das als Kompliment verstehen, denn wir finden Coldplay alle richtig gut. Ihre Liveshows sind der Wahnsinn. Aber die Veränderung des Sounds hat sich über Jahre so entwickelt. Wir kamen ja mal eher vom Nu-Metal. Wo wir am Anfang eher mit dem Kopf durch die Wand wollten, lassen wir inzwischen viele Einflüsse zu und sehen auch viele Themen nicht mehr so eindimensional. Man wächst als Band und wird reifer. Eine Erkenntnis ist, dass es besser ist, erst mal alles auszuprobieren, als vieles von vornherein auszuschließen. So hab’ ich mich jetzt an der Lapsteel-Gitarre und dem Banjo versucht. Wir wissen aber auch sehr genau, was wir nicht können. Spanischen Flamenco wird man von mir sicherlich nie hören.

Wann wird man Euch wieder live erleben können?

Wir gehen jetzt zunächst einmal auf eine Club-Tour Ende April und im Mai. Die Tickets waren innerhalb von 30 Minuten ausverkauft. Da waren wir tatsächlich sehr überrascht. Wir freuen uns schon unglaublich darauf, wieder einmal ganz nah bei unseren Fans zu sein. Im Sommer wird man uns auch auf einigen Festivals live erleben können, und im März 2019 geht es auf große Arena-Tour.

Konzerte in Clubs, Open Air und in Hallen

Auf Tour Nach der in Rekordzeit ausverkauften Club-Tour, die Revolverheld am 2. Mai ins Wizemann nach Stuttgart führt, spielen die Musiker Freiluft-Konzerte. Unter anderem ist die Band am 28. Juli beim Schlossgarten Open Air in Tettnang und am 11. August beim Brenzpark-Open-Air in Heidenheim zu erleben. Am 22. März 2019 tritt sie in der Stuttgarter Schleyerhalle auf. Weitere aktuelle Infos im Internet unter www.revolverheld.de

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