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„Laible und Frisch“: Unterhaltung wie ein Wurstsalat

Der Kinofilm über das kleinstädtische Bäckerduell „Laible und Frisch“ wird in der Lichtburg vorgestellt. Er bietet Unterhaltung, schwäbisch wie ein Wurstsalat.

ULI LANDTHALER |

Der eine ist ein schwäbisch-sturköpfiger Handwerker, der andere ein arroganter Großbäcker: „Laible und Frisch“ war eine erfolgreiche Fernsehserie des SWR.  Nun ist das kleinstädtische Bäcker-Duell als Kinofilm wieder da. „Laible und Frisch – do goht dr Doig“ startet mit knapp 50 Kopien in Baden-Württemberg. In Ulm läuft er in der Lichtburg, wo Darsteller Peter Jochen Kemmer  und Produktionsleiter Christian Hünemörder jetzt den Film vorstellten.

Mit wie viel Enthusiasmus der SWR an dieser Neuauflage wirklich beteiligt ist, erschließt sich nicht ganz. Der Sender tritt als Co-Produzent auf und rührt die Werbetrommel für den Film. Andererseits berichtete Hünemörder von der schwierigen Finanzierung: Fördergeld gab es kaum, weil Dialekt der überregionalen Verbreitung eines Films im Weg steht. Dafür kam Unterstützung von vielen Kleinsponsoren und einer Crowdfunding-Aktion.

Und es gibt die kleine Produktionsfirma Schwabenlandfilm in Dettingen. Deren Macher hätten sich für „Laible und Frisch“ sechsstellig verschuldet, sagte Hünemörder, und seien nun auf ein gutes Einspielergebnis angewiesen.

Kunst gegen Fließband

Soweit der ernste Hintergrund. Dabei soll es doch lustig zugehen im fiktiven schwäbischen Fachwerkstädtchen Schafferdingen, wo die Temperamente und Geschäftsphilosophien aufeinanderprallen und Laibles ehrbare, aber unprofitable Kleinbäckerkünste gegen Frischs Fließbandbrote den Kürzeren zu ziehen drohen.

Aber eben nur vordergründig. Denn natürlich ist beim großspurig auftretenden Frisch, der als Werbegag seine Hörnchen an Fallschirmchen auf Schafferdingen regnen lässt, viel Luft im Teig: Seine Bilanzen halten nicht, was das großspurige Auftreten verspricht. Das merken bald auch die Schafferdinger, die mit List zum Gegenangriff übergehen.

Wie sie das machen, ist eine Mischung aus satirischem Schwank, Comedy und Mundart-Theater, bei der die alten Darsteller wie Elert Bode, Trudel Wulle und in einer Nebenrolle Walter Schultheiß immer auch die solideren sind. Es gibt einen absurden Back-Wettkampf, subversive Geheimtreffen und überraschende Männerfreundschaften. Man legt sich gegenseitig nach Strich und Faden rein – und am Ende wartet eine solide schwäbische Lösung.

„Laible und Frisch“ ist kein filmisches Feingebäck, dessen Zutaten man einzeln herausschmecken und auf der Zunge zergehen lassen  müsste. Es ist eher eine Art schwäbisches Landbrot, in das man bedenkenlos reinbeißen kann, ohne die Erwartungen in die Höhe zu treiben: Unterhaltung wie ein Wurstsalat, wenn man so will. Wer mit schwäbischer Hausmannskost nichts anfangen kann und ebensowenig mit Sprüchen, die nur im Dialekt funktionieren, sollte in die Feinkostabteilung wechseln. Die anderen werden ihren Spaß an dem Film haben – so wie die Schauspieler beim Dreh, was man ihnen in jeder Szene übrigens auch ansieht.

Eine Zutat für Feinschmecker ist aber dann doch allzeit präsent: die Kamera von Notker Mahr. Das Fließband der Reutlinger Großbäckerei, in der das Team drehen durfte, entfaltet in seinen Bildern  seinen ganz eigenen optischen Reiz. Und die Drohnen-Flüge über Bad Urach, das Schafferdingen verkörpert, sind schlicht zum Genießen.

Der Ausgleich für die „Fallers“

Fernsehen Der regionale Proporz ist im Südwestrundfunk so etwas wie der zweite Programmdirektor. Weil die Schwarzwald-Familie „Fallers“ seit Jahrzehnten ihren Stammplatz im Regionalfernsehen hat, muss auch der schwäbische Landesteil serienmäßig bedient werden. Dazu war unter anderem die Comedy-Reihe „Laible und Frisch“ gedacht, die allerdings (im Gegensatz zu ihrer Schwesterserie „Die Kirche bleibt im Dorf“) nicht recht zünden wollte und nach der zweiten Staffel schon wieder beendet wurde – gerade, als sich die Einschaltquoten berappelt hatten, wie ihre Verfechter bedauern. uli

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