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Bei S 21 schlägt die Stunde der Pragmatiker

Die Anhörung zu S 21 in Berlin zeigt einen Trend zur Pragmatik in der Debatte. Die Koalition im Land streitet trotzdem.

FABIAN ZIEHE |

Komplett dafür oder total dagegen, das Dazwischen ging lange im Streit um Stuttgart 21 unter. Das scheint vorbei: Ex-Bahn-Manager wie Thilo Sarrazin und amtierende Konzernchefs wie Richard Lutz bestätigen, dass man zumindest nach heutigem Wissensstand das Großprojekt nie wieder angehen würde. Und profilierte S-21-Gegner wie VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb unterstreichen, dass trotz aller Bauchschmerzen ein Baustopp vom Tisch sei. Da Finanz- und Zeitplandesaster nicht mehr zur leugnen sind, schlägt die Stunde der Pragmatiker.

Umso mehr verstört, wie sich die grün-schwarzen Koalitionäre im Land beharken. Die Grünen hatten sich 2011 nach der Volksabstimmung die Position zwischen allen Stühlen auferlegt, eine „kritische Begleitung“ des Projekts. Nun ist dieses „Dazwischen-Sein“ en vogue. Und doch provoziert der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann:  S 21 sei die „größte Fehlentscheidung der Eisenbahngeschichte“.

Dass der Partner CDU sich provozieren lässt, irritiert ebenso. Über „alte Kampfrhetorik“ klagt Verkehrsexpertin Nicole Razavi. Kollege Manuel Hagel spricht von einer „getarnten Beschimpfung“ der S-21-Befürworter in der Volksabstimmung. Nun mögen angesichts der aktuellen Zwistigkeiten der Koalitionäre diese Nickligkeiten erklärbar sein. Grün-Schwarz verpasst allerdings so die Chance, ganz pragmatisch ein strittiges Thema abzuräumen.

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