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Fake-Ferienhaus per Vorkasse

Betrüger sollen mit einem Fake-Ferienhaus am Gardasee 225 Kunden hereingelegt haben. Der Schaden: 367 000 Euro.

RAIMUND WEIBLE |

Nach zwölf Stunden Fahrt kamen die drei Familien aus dem Kreis Reutlingen erschöpft, aber erwartungsvoll im malerischen San Felice am Gardasee an. Alle elf Reisenden, darunter drei Kinder, freuten sich auf einen schönen Urlaub. Doch das Haus in Strandnähe, das sie über ein Internet-Portal für die Pfingstferien 2017 gebucht hatten, blieb ihnen verschlossen.

Die Eigentümer hatten es gar nicht zur Vermietung ausgeschrieben, die Urlauber waren einem Betrüger auf den Leim gegangen. Wie viele andere auch. Das zuvor überwiesene Geld war futsch.

Nun gibt es eine durchaus realistische Hoffnung, dass die Gelinkten zumindest einen Teil ihres Gelds zurückbekommen. Denn ihre Anzeige gegen den Betreiber des Internet-Portals „VillaLux“ in Köln hatte Erfolg. Die Cybercrime-Spezialisten des Polizeipräsidiums Offenburg ermittelten einen 28-jährigen Niederländer. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat jetzt gegen ihn beim Landgericht Mannheim Anklage erhoben.

Den Ermittlern zufolge gehört der 28-Jährige zu einer vierköpfigen Bande von Online-Betrügern. Drei von ihnen prellten den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge über Internetshops Kunden um ihr Geld. Sie brachten die Klienten dazu, Waren im voraus zu bezahlen, auf die dann die Kundschaft vergeblich wartete. Die Polizei fasste diese drei Männer bereits im September 2017.

Gegen den 28-jährigen mutmaßlichen Komplizen erwirkte die Staatsanwaltschaft Mannheim einen Europäischen Haftbefehl. Der Mann wurde Ende November 2017 in Spanien verhaftet und sitzt seitdem mit zwei weiteren Mitgliedern der Bande in Untersuchungshaft. Der vierte Mann kam Anfang Januar unter Auflagen auf freien Fuß. Das Verfahren gegen ihn und die beiden anderen Männer wurde abgetrennt.

Der „VillaLux“-Betreiber war äußerst raffiniert vorgegangen. Er köderte seine Online-Kundschaft mit einem attraktiv wirkenden Gardasee-Objekt und mit Preisen, die für die Pfingstferien völlig unrealistisch waren. Das Portal wirkte professionell. So schöpften die Interessenten, darunter zahlreiche aus Baden-Württemberg, keinen Verdacht. Von dem Objekt in San Felice stellte der mutmaßliche Betrüger Aufnahmen ins Internet, und er winkte mit zwei Prozent Skonto bei sofortiger Zahlung. „Das haben die ganz clever gemacht“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, als die ersten Fälle bekannt worden waren.

Die Familien aus dem Kreis Reutlingen hatten bereits im Februar gebucht und auf der Stelle den vollen Betrag in Höhe von 2026,60 Euro für den Aufenthalt vom 3. bis 10. Juni 2017 überwiesen – was man, wie die Polizei und das seriöse Gewerbe raten, nie tun sollte. Nach der Heimkehr forschten die Enttäuschten im Internet nach dem „VillaLux“-Portal. Vergeblich. Es war gelöscht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der Festgenommene mit der Seite vom 3. Februar bis 6. Juni 2017 in großem Stil auf Kundenfang gegangen und hatte sich danach aus dem Staub gemacht. Und auch das Bankkonto von „VillaLux“ bei einer Kölner Bank leergeräumt. Das eingegangene Geld wurde ins Ausland transferiert.

Den Offenburger Polizisten gelang es jedoch nicht nur, die mutmaßlichen Täter zu ermitteln – sie stellten auch einen Großteil der Beute sicher. Das meiste Geld hatten die Beschuldigten in der Kryptowährung Bitcoin angelegt. Auch die wurden beschlagnahmt. Vermögenswerte von mehr als 400 000 Euro sind sichergestellt worden.

Auf die Erwartung der Geschädigten, dass sie ihr Geld bald zurückbekommen, reagiert die Staatsanwaltschaft vorsichtig. Zunächst müsse abgewartet werden, ob das Landgericht die Anklage zulässt und die Hauptverhandlung eröffnet. sagte eine Sprecherin.

Online mit der „Villa Lux“ abkassiert

4 Verdächtige gehören zu der mutmaßlichen Online-Betrügerbande, die im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv gewesen sein soll.

225 Betrugsfälle listet die Staatsanwaltschaft Mannheim in ihrer Anklage gegen den Tatverdächtigen auf. Der Schaden beträgt insgesamt: 367 000 Euro.

2026 Euro haben die drei Familien aus dem Kreis Reutlingen für die online als Ferienhaus angebotene „Villa Lux“ am Gardasee vorab überwiesen. web

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